Ein kleiner Falter flattert abends durch den Flur, kurz darauf sitzt der nächste an der Zimmerdecke. Für viele Haushalte beginnt ein Mottenbefall genau so. Vorweg zur Beruhigung: Motten haben nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Sie werden in aller Regel eingeschleppt, mit einer Packung Nüsse aus dem Supermarkt oder mit einem gebrauchten Teppich.
Bevor Sie zu Fallen oder Hausmitteln greifen, sollten Sie allerdings eine Frage klären: Um welche Motte handelt es sich? Kleidermotten und Lebensmittelmotten sehen für das ungeübte Auge ähnlich aus, leben aber völlig unterschiedlich und lassen sich deshalb nicht mit denselben Mitteln bekämpfen. Wir zeigen Ihnen, woran Sie beide Arten sicher erkennen, wo Sie nach den Larven suchen und wann eine professionelle Bekämpfung sinnvoll ist.
Kurz beantwortet: Kleidermotten sind einfarbig goldglänzend, halten sich in Schlafzimmer und Kleiderschrank auf und fressen Wolle, Seide und Pelz. Lebensmittelmotten haben zweifarbige Flügel mit kupferfarbener Außenhälfte, sitzen in Küche und Vorratsraum und leben von Mehl, Müsli und Nüssen. Der Aufenthaltsort verrät die Art fast immer zuverlässiger als das Aussehen.
Wer die falsche Art bekämpft, verliert Wochen. Der Grund liegt in der Nahrung: Kleidermotten ernähren sich von Keratin, einem Eiweiß, das in tierischen Fasern wie Wolle, Seide, Pelz und Federn steckt. Lebensmittelmotten dagegen leben von stärke- und fetthaltigen Vorräten wie Mehl, Müsli, Nüssen oder Trockenobst. Beide Arten haben damit völlig verschiedene Aufenthaltsorte im selben Haushalt.
Hinzu kommt ein praktischer Punkt: Pheromonfallen wirken artspezifisch. Eine Falle für Lebensmittelmotten lockt keine Kleidermotten an. Wer im Kleiderschrank sucht, während der eigentliche Befallsherd im Vorratsregal sitzt, wundert sich also zu Recht, warum die Falter nicht weniger werden.
Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) fällt vor allem durch ihr Verhalten auf. Sie meidet Licht, fliegt selten weite Strecken und huscht bei Störung eher in eine dunkle Ecke, statt zur Lampe zu fliegen.
Typische Befallsorte sind Kleiderschränke, Wollteppiche, Polstermöbel, Bettdecken, Filzauflagen und Tierpräparate. Reine Baumwolle oder Kunstfaser wird nur dann befallen, wenn sie durch Schweiß, Hautschuppen oder Speisereste verunreinigt ist.
Die häufigste Lebensmittelmotte in deutschen Haushalten ist die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella). Sie lässt sich am zuverlässigsten an der Färbung ihrer Vorderflügel bestimmen.
Sehen Sie in den Vorratsschrank, prüfen Sie auch die Verpackungen selbst: Ein Gespinst unter dem Schraubdeckel oder in der Falznaht einer Packung wird beim schnellen Blick leicht übersehen.
Ein Mottenbefall ist in den seltensten Fällen ein Zeichen mangelnder Sauberkeit. Lebensmittelmotten gelangen fast immer als Ei oder Larve in bereits befallener Ware in den Haushalt. Der Befall entsteht damit häufig schon im Lager oder im Großhandel, nicht in Ihrer Küche.
Kleidermotten kommen auf anderen Wegen ins Haus: über gebrauchte Textilien, Teppiche und Polstermöbel, über Second-Hand-Kleidung oder aus Vogelnestern in Dachbereichen und Rollladenkästen. In Nestern finden Kleidermotten mit Federn und Haaren ihre natürliche Nahrungsquelle. Von dort wandern sie in die Wohnräume. Beide Arten fliegen außerdem durch offene Fenster ein.
Weil Wohnungen ganzjährig beheizt sind, können beide Arten mehrere Generationen pro Jahr bilden. Ein Befall verschwindet deshalb im Winter nicht von allein.
Motteneier sind mit 0,3 bis 0,5 Millimetern so klein, dass sie mit bloßem Auge kaum zu finden sind. Suchen Sie deshalb nicht nach Eiern, sondern nach den Spuren der Larven: Gespinste, Kot und Fraßschäden.
Ein einzelner Falter wirkt harmlos, und genau das führt dazu, dass viele Haushalte zunächst abwarten. Die Vermehrungsrate spricht allerdings dagegen: Ein Kleidermottenweibchen legt im Laufe seines Lebens rund 100 bis 250 Eier, bei der Dörrobstmotte sind es je nach Bedingungen bis zu 300. Die Eier werden dabei nicht an einer Stelle abgelegt, sondern über den gesamten Nahrungsvorrat verteilt.
Wie lange eine Generation braucht, unterscheidet sich zwischen den Arten deutlich, und genau das führt in der Praxis zu Fehleinschätzungen. Die Dörrobstmotte entwickelt sich bei Zimmertemperatur in etwa sechs bis zehn Wochen vom Ei zum Falter, unter warmen Bedingungen im Vorratsschrank auch in vier bis fünf Wochen. Die Kleidermotte lässt sich deutlich mehr Zeit: Je nach Temperatur und Nahrungsangebot dauert ihre Entwicklung drei Monate bis über ein Jahr.
Für Sie bedeutet das zweierlei. Bei Lebensmittelmotten kann ein übersehener Rest binnen weniger Wochen einen neuen Befall auslösen. Bei Kleidermotten dagegen kann zwischen dem Schaden am Pullover und dem ersten sichtbaren Falter ein halbes Jahr liegen – der Befall ist dann längst älter, als er wirkt.
Wichtig für die Motten-Bekämpfung ist außerdem: Der Falter selbst frisst nicht. Kleidermotten haben als ausgewachsenes Tier nicht einmal funktionsfähige Mundwerkzeuge. Den gesamten Schaden richten die Larven an. Wer nur die fliegenden Falter erschlägt, bekämpft also das Symptom. Die eigentliche Population sitzt unsichtbar im Material.
Nicht jedes Loch im Pullover stammt von einer Motte. Pelzkäfer, Teppichkäfer, Brotkäfer und Speckkäfer verursachen sehr ähnliche Schäden an Textilien und Vorräten. Der entscheidende Unterschied: Käferlarven spinnen keine Gespinströhren, hinterlassen dafür aber Häutungsreste, die wie leere Hüllen aussehen. Wenn Sie solche Häutungshemden finden, ist eine andere Behandlung erforderlich.
Ausführliche Hinweise zur Bestimmung finden Sie in unseren Beiträgen zu unbekannten Schädlingen in der Wohnung und zu Käfern in der Wohnung.
Ein früh entdeckter, örtlich begrenzter Befall lässt sich häufig selbst in den Griff bekommen. Bei Lebensmittelmotten heißt das: sämtliche Vorräte im betroffenen Schrank einzeln prüfen, befallene Ware vollständig entsorgen und den leergeräumten Schrank inklusive Ritzen und Bohrlöchern gründlich auswaschen.
Bei Kleidermotten kommt es auf die Temperatur an. Waschbare Textilien sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Wolle, Seide und Kaschmir vertragen das jedoch nicht. Für diese Materialien ist Einfrieren die Alternative: mindestens eine Woche bei minus 18 Grad, wobei die Textilien luftdicht verpackt sein sollten. Ein Tag im Gefrierfach reicht nicht aus, weil die Eier kurze Kälteperioden überstehen. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass Sie die Quelle tatsächlich finden.
In diesen Fällen empfehlen wir, einen Fachbetrieb hinzuzuziehen:
Für gewerbliche Kunden arbeiten wir dabei nach den Vorgaben eines HACCP-konformen Monitorings und dokumentieren jede Maßnahme nachvollziehbar. Unser Vorgehen folgt immer derselben Reihenfolge: Befall ermitteln, Art bestimmen, Herd lokalisieren, gezielt behandeln und anschließend kontrollieren.
Ist der Befall beseitigt, entscheidet die Vorbeugung darüber, ob er zurückkehrt. Auch hier unterscheiden sich die Maßnahmen je nach Art.
Wo kommen Motten her?
Lebensmittelmotten gelangen fast immer als Ei oder Larve in bereits befallener Ware in den Haushalt, häufig schon aus dem Lager oder Großhandel. Kleidermotten kommen über gebrauchte Textilien, Teppiche und Polstermöbel ins Haus oder wandern aus Vogelnestern in Dachbereichen und Rollladenkästen ein. Beide Arten fliegen außerdem durch geöffnete Fenster ein.
Woran erkenne ich Motteneier?
Motteneier sind mit 0,3 bis 0,5 Millimetern kaum mit bloßem Auge zu sehen. Suchen Sie stattdessen nach den Spuren der Larven: Gespinstfäden, sandkornartige Kotkrümel und Fraßschäden am Material.
Sind Motten gefährlich?
Motten übertragen keine Krankheiten und stechen nicht. Der Schaden ist materiell: zerstörte Textilien und Teppiche bei Kleidermotten, unbrauchbare Vorräte bei Lebensmittelmotten. Befallene Lebensmittel sollten dennoch nicht mehr verzehrt werden, da Gespinste, Kot und Häutungsreste enthalten sind.
Helfen Lavendel und Zedernholz gegen Motten?
Beide können ausgewachsene Falter kurzzeitig fernhalten, wirken aber nicht gegen Eier und Larven im Material. Als alleinige Maßnahme bei einem bestehenden Befall reichen sie nicht aus.
Wie lange dauert es, bis ein Mottenbefall beseitigt ist?
Das hängt von der Art ab. Ein früh erkannter Befall mit Lebensmittelmotten ist oft in zwei bis vier Wochen erledigt. Bei Kleidermotten in Teppichen und Polstern dauert es wegen der langen Entwicklungszeit deutlich länger, meist mehrere Monate mit Nachkontrollen.
Ob Kleidermotte oder Lebensmittelmotte: Die Bekämpfung ist deutlich schneller erfolgreich, wenn zu Beginn feststeht, mit welcher Art Sie es zu tun haben. Falter, Larve und Befallsort geben Ihnen in den meisten Fällen bereits eine klare Antwort. Bleibt der Befall bestehen oder finden Sie den Herd nicht, übernehmen unsere Fachkräfte die Bestimmung vor Ort und stimmen die Behandlung genau auf die betroffenen Materialien ab.
Sie haben Motten in der Wohnung oder im Betrieb und kommen nicht weiter? Sprechen Sie uns an: +49 (0) 461 – 480 658 46

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